Eine Stelle für die Jugend

(SNW) | 30. April 2014

JanGentsch2014_1Am 22.04. nahm Jan Gentsch seine Tätigkeit in der Landesfachstelle für lesbische, schwule, bi und trans* Jugendarbeit in NRW auf. Das Projekt befindet sich in Trägerschaft des Schwulen Netzwerkes NRW und wird in enger Kooperation mit der LAG Lesben in NRW umgesetzt.

Jan Gentsch studierte Erziehungswissenschaften an der Universität Bielefeld. Vor seinem Start im Schwulen Netzwerk arbeitete der gebürtige Bielefelder zuerst mehrere Jahre als pädagogischer Mitarbeiter in der Stricherarbeit und der Prävention pädokrimineller Gewalt an Jungen beim Kölner Verein Looks. Er wechselte anschließend zur Aids-Hilfe Bonn in den Bereich Herzenslust, einem zielgruppenspezifischen Präventionsangebot für schwule Männer. Zu dieser Zeit baute Jan den lesbisch, schwulen, bi und trans* Jugendtreff GAP in Bonn in einem Beteiligungsverfahren mit Bonner Jugendlichen auf und leitete ihn bis zum seinem Wechsel auf die Landesebene. Jan stellt seine zukünftigen Arbeitsschwerpunkte im Interview vor. 

Jan, was genau kann man sich unter der Landesfachstelle für lesbische, schwule, bi und trans* Jugendarbeit vorstellen?

In Nordrhein-Westfalen gibt es eine ganze Reihe verschiedener LGBT-Jugendgruppen, -zentren und Initiativen, die sehr unterschiedlich entwickelt und in der jeweiligen Kommune verankert sind. Während manche Einrichtungen seit vielen Jahren bestehen, hauptamtliches Personal besitzen und gut etabliert sind, kämpfen andernorts ehrenamtlich engagierte Menschen um mehr Öffentlichkeit, finanzielle Hilfe und nachhaltiges Bestehen. Dies ist Voraussetzung, um kontinuierlich wichtige LGBT-Jugendarbeit leisten zu können. Zu meinen Aufgaben als Verantwortlicher für die Landesfachstelle gehört es, die bestehenden Projekte zu beraten und zu unterstützen, um sich vor Ort zu stabilisieren und zu etablieren. Teil davon wird sein, NRW-weite Vernetzungsstrukturen aufzubauen, von denen haupt- und ehrenamtlich engagierte Menschen profitieren können.

Und wie sieht es mit den noch unterversorgten Regionen aus?

Auch wenn sich in NRW neue Gruppen und Initiativen an Orten bilden, in denen es bis dato noch keine LGBT-Jugendarbeit gegeben hat, steht die Landesfachstelle unterstützend zur Seite. Sei es, um Strukturen vor Ort mit zu entwickeln, die Anbindung an Landesstrukturen zu erleichtern oder Erfahrungswissen zu Themen rund um den organisatorischen Verwaltungsaufwand in der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Auch Fragen der professionellen Unterstützung von schwul, lesbisch, bi und trans* Jugendlichen und Themen rund um die nachhaltige Absicherung von Jugendarbeit werden ein Schwerpunkt sein.

In welcher Weise können die Jugendzentren und -initiativen von der Landesfachstelle profitieren, die bereits hauptamtlich geführt werden und sehr etabliert sind?

Auch Jugendzentren und Jugendinitiativen, die bereits in ihren Kommunen fest verankert sind, sollen natürlich von der Jugendfachstelle profitieren. Es soll der Rahmen für Vernetzung mit dem Ziel des fachlichen Austauschs geboten werden. Außerdem soll dem Bedarf und den Wünschen nach fachlicher Weiterbildung und -entwicklung durch Fachtagungen und Infoveranstaltungen begegnet werden.

Die Landesfachstelle bezieht sich explizit auch auf die Arbeit mit Jugendlichen mit trans* Identität? Wie ist das gemeint?

Im Grunde ist die Arbeit mit trans* Jugendlichen bzw. die Angebote für trans* Jugendliche insgesamt ein noch wenig bedientes Feld. Es wird darum gehen, dieser Zielgruppe in der LGBT Jugendarbeit zu mehr Raum zu verhelfen, um ihr mehr Sichtbarkeit zu verschaffen – am liebsten mit den Menschen gemeinsam, die Expertise in eigener Sache haben.

Was werden deine ersten Schritte im Rahmen deiner Tätigkeit sein?

Mir ist es als erstes wichtig, die Projekte vor Ort und die dort engagierten Menschen persönlich kennen zu lernen. Deshalb werde ich mich zunächst bei den vielen einzelnen Projekten, Initiativen und Zentren melden, um mich vor Ort vor zu stellen, die Landesfachstelle bekannt zu machen und vor allem aber die Arbeit in den jeweiligen Kommunen kennen zu lernen. Dabei interessiert mich besonders, mit welchen konkreten Herausforderungen die Engagierten vor Ort konfrontiert sind, welche Bedarfe sie für ihre Arbeit sehen und welche Wünsche, Erwartungen sie an ihre Landesfachstelle haben und von welche Themen sie vor Ort bewegt werden.

Und wie kann die Landesfachstelle für lesbische, schwule, bi und trans* Jugendarbeit in NRW kontaktiert werden?

Die Fachstelle ist untergebracht im Schwulen Netzwerk NRW e.V. , Lindenstr. 20, 50674 Köln. Telefonisch bin ich erreichbar unter 0221-29499850 oder per Mail gentsch@schwules-netzwerk.de. Über Rückmeldungen und Rückfragen aus den Mitgliedsorganisationen sowie Gruppen und Initiativen der LGBT-Jugendarbeit freue ich mich sehr.

Die Landesfachstelle wird für 3 Jahre vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW gefördert.