Jung will auch von Kirchen neues Denken bei Homosexualität

(SNW) | 4. Juli 2014

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Pressemitteilung 99 / 2014 der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zu: „Schwules Netzwerk“ ehrt Kirchenpräsidenten

Köln / Darmstadt, 4. Juli 2014

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, wird am Samstag (5. Juli) in Köln für seinen Einsatz für die Rechte Homosexueller ausgezeichnet. Das „Schwule Netzwerk NRW“ verleiht damit erstmals einem Kirchenvertreter die seit 2001 vergebene „Kompassnadel“. In den Vorjahren ging die Auszeichnung des Fachverbandes, dem über 40 Gruppierungen wie die Aids-Hilfe oder Beratungsstellen für Homosexuelle aus Nordrhein-Westfalen angehören, unter anderem an die Redaktion des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft oder den früheren Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes Theo Zwanziger.

Kirchenpräsident Jung: Homosexualität muss theologisch neu bewertet werden

Jung kündigte an, bei der Preisverleihung am Samstag darauf hinzuweisen, dass er die theologische Debatte über Homosexualität noch nicht für abgeschlossen hält. Sowohl in Teilen der evangelischen Kirche als auch in der römisch-katholischen Kirche und der orthodoxen Kirche sei es weiterhin nötig, das Verhältnis zu schwulen und lesbischen Menschen „grundlegend zu überdenken“. Nach Ansicht des evangelischen Kirchenpräsidenten ist „Homosexualität eine mögliche Grundveranlagung von Menschen und gehört deshalb zur Schöpfung“. Für homosexulle Menschen gelte deshalb auch der Zuspruch der biblischen Schöpfungserzählung: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut!“. Jung zufolge greift der Ansatz zu kurz, homosexuelle Menschen nicht diskriminieren zu wollen, gelebte Homosexualität aber nach wie vor als Sünde zu verurteilen. Das Ziel müsse „echte Akzeptanz“ sein. Angesichts einer „erschreckend weit verbreiteten Homophobie“ sei es wichtig, in Kirche und Gesellschaft zu einer veränderten Beurteilung der Homosexualität zu kommen. Er erhoffe sich, dass in Zukunft Schwule, Lesben, Transsexuelle und andere sagen könnten: „Die Kirchen sind kein homophober Block, sondern die Kirche Jesu Christi ist meine Kirche“.

Schwules Netzwerk: Stellenwert von Schwulen und Lesben in Kirche neu definiert

Nach Worten des „Schwulen Netzwerks NRW“ verdient Jung die Ehrung, weil er „aus einer herausragenden Position als leitender Geistlicher“ an dem Familienpapier der Evangelischen Kirche in Deutschland mitwirkte, das im vergangenen Jahr für eine breite Diskussion gesorgt habe. Diese Schrift habe den Stellenwert von Lesben, Schwulen, gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und Regenbogenfamilien „auf nachhaltige Weise theologisch neu definiert“, so das Netzwerk. „Volker Jung setzt sich dafür ein, dass ein vielfältiges Familienbild, trotz aller Kritik aus den eigenen Reihen, Einzug in das Selbstverständnis der Evangelischen Kirche in Deutschland hält“, so Steffen Schwab, der Vorstandsvorsitzende des „Schwulen Netzwerks NRW“. Dies sei ein Zeichen, „das überkonfessionell eine hohe positive Symbolkraft“ ausstrahle. „Vielen Lesben und Schwulen erscheinen ‚die Kirchen‘ und die überwältigende Mehrheit kirchlicher Repräsentantinnen und Repräsentanten bis heute als homophober Block“, so Schwab weiter. Mit der Ehrung von Jung, „würdigen wir, dass er diesem Bild mit seinem herausragenden Engagement entgegentritt“, erklärte Schwab. Jung gebe vielen Menschen in der evangelischen Kirche, die sich für die Emanzipation von Lesben und Schwulen einsetzen, ein Gesicht.

Hinweis: Übergabe der „Kompassnadel“ am Samstag im Kölner Gürzenich
Die Auszeichnung „Kompassnadel“ wird bei einem Empfang anlässlich des Christopher Street Days am 5. Juli um 13 Uhr im Kölner Veranstaltungszentrum Gürzenich (Martinstraße 29-37) übergeben.

Mehr Informationen im Internet: www.csd-empfang-nrw.de und www.ekhn.de/presse

Darmstadt, 4. Juli 2014
Verantwortlich: Pfarrer Volker Rahn, Pressesprecher