Laudatio für Stephan Denzer

(SNW) | 7. Juli 2015

11201876_1047974495231326_842581217868505187_nAm 04. Juli 2015 zeichnete das Schwule Netzwerk NRW Stephan Denzer für sein gesellschaftspolitisches Engagement als Erfinder und Redaktionsleiter der heute show aus. Der Schauspieler Klaus Nierhoff würdigte diese Arbeit in einer Laudatio: 

„Die Heute Show ist wie eine gute Freundin, blitzgescheit, sie nennt die Dinge beim Namen, sie geht offener, ideologiefreier und ungehemmter durchs Leben, als viele andere. Sie traut sich was, sie ist haltungsstark – sie deckt Ungerechtigkeiten auf und analysiert messerscharf. Ich weiß gar nicht, welche sexuelle Orientierung sie hat – das ist aber auch egal.

Bei unseren – LSBTTIQ–Themen ist sie auf unserer Seite – sie entlarvt die homophoben Spießer, wo sie nur kann – und wenn ihr vorgeworfen wird, sie sei von der virulenten Homolobby gesteuert, dann wird eine ganze Sendung unter dem Label „gesponsort von der virulenten Homolobby“ ausgestrahlt. Die Heute Show – als Satiresendung mit journalistischem Anspruch ist einzigartig in Deutschland – Stephan Denzer hat sie – als Leiter des Teams Kabarett/Comedy – auch „Team Lustig“ genannt – in der Hauptredaktion Show – erfunden und durchgepaukt beim ZDF und sie ist zu einem Aushängeschild des Senders geworden. 

Wie kam es dazu?

Zunächst zum „Private Denzer“. Auf seiner Homepage kann man lesen: Geboren und aufgewachsen in der pfälzischen Comedy-Hochburg Kaiserslautern – Kampfposaunist im Luftwaffenmusikkorps der Bundeswehr – Musik- und Germanistikstudium in Mainz – Absolvent der Köln Comedy Schule – Soloprogramme mit Auftritten bei Nightwash, Quatsch Comedy Club, WDR u.v.a.

Als anerkannter Küchenpsychologe assoziiere ich: Heimatverbundenheit – Comedy als Bewältigungsstrategie? – Dann eine eigenwillige Art, den Feind zu vertreiben … mit der Posaune -Musikalität, Rhythmus und Sprachgefühl, verbunden mit einer Form von Karneval …

Ich musste weiter forschen und fragte Rahul Das Gupta und Horsthelmut Schimkat, Mitarbeiter von Stephan Denzer bei der Hauptabteilung Show im ZDF: Er war mal bei Wetten Dass und zog dort mit die schrillsten Wetten an Land. 2004 zur Europa-Meisterschaft Stephans Denzers Idee, an ZDF-Spieltagen „nachzutreten“. Fußball und Comedy – Es ging. Am Rande von „Nachgetreten!“ fanden auch die ersten Gespräche zwischen Stephan Denzer und Oliver Welke statt, wie toll es doch wäre, in Deutschland so etwas, wie die Daily-Show hinzukriegen.

2006 der Auftrag der Geschäftsleitung, im ZDF nach knapp 28 Jahren Sendepause (Rauswurf Hildebrandt 1979) wieder politisches Kabarett zu installieren, das aber doch anders, neu sein sollte – was Anfang 2007 mit „Neues aus der Anstalt“ mit Bravour gelang. 2008 gab es dann auf Betreiben von Stephan Denzer einen Piloten zur „heute-show“, der hausintern vorgestellt wurde und viel Lob erntete. Ende 2008 – kam der Startschuss „von oben“. Innerhalb von nur fünf Monaten wurde die „heute-show“ aus dem Boden gestampft und die aktuellen Redaktionen überzeugt, dass eine solche Sendung nicht zu deren Nachteil sei.

Das Charakteristischste an Stephan Denzer: Er ist ein Arbeitstier.

Der Mann muss Energie für drei haben. Wenn andere ins Bett gehen, ackert er noch drei Drehbücher durch. Und er kämpft wie ein Löwe für seine Projekte und für sein Team. (Hat ja auch am 2. August Geburtstag). Seine Mitarbeiter sind angehalten, ihn mehrmals täglich per Mail, Telefon oder SMS daran zu erinnern: „Nicht aufregen!“

Er entspannt sich bei Power-Yoga – hat sich in Kalifornien zum Yoga-Lehrer ausbilden lassen. Er kocht gerne und gut, ist ein Spitzen-Gastgeber und fürsorglicher Kollege und Vorgesetzter, Stephan ist ein guter Freund. Ist er im Büro, bleibt das niemandem lange verborgen, man hört ihn spätestens nach fünf Minuten aus seinem stets offenen Zimmer über den ganzen Gang lachen.

Ein Witz: „Sitzen zwei Homosexuelle im Flugzeug. Sagt die eine zur anderen: „Bestimmt haben sich jetzt alle zwei Schwule vorgestellt.“ Das Repräsentanzproblem: Wenn in einer Szenenanweisung steht »Ein Mensch betritt die Bühne«, hat man automatisch einen weißen heterosexuellen Mann vor Augen. Das ist das Problem…. Oder denken Sie an die Arche Noah. Angeblich steht sie für Vielfalt – was aber ist mit der lesbischen Giraffe, dem schwulen Pavian und dem transsexuellen Zebra?

Wie oft hören wir die Wörter “schwul“, “lesbisch“, “trans“ usw. als etwas, dass man tunlichst vermeiden sollte. Wie alltäglich sind diese Beleidigungen, und wie sehr haben wir gelernt, diese nicht als solche empfinden zu dürfen. Oliver Welke ruft in der Heute Show der Kanzlerin zu: Sag’s doch mal: „schwul“! Die Heute Show schafft das, was vielen Menschen und Institutionen nicht gelingt: Homophobie als solche zuerkennen und so zuerklären, dass es Homos und Heteros verstehen!

In der Heute Show sind wir selbstverständlich dabei und die Heute Show ist auf unserer Seite – nervige AfD- oder CSU-Mitgliederstatements werden als das entlarvt, was sie sind: rückwärtsgewandte, ressentimentgeladene Bauchgefühlsergüsse, Glauben statt Wissen. Die Heute Show begegnet dem auf eine Weise, die ich mir im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen öfter wünschen würde.

Geile Stellen!

Wenn Merkel rumeiert: „Ich bin mir einfach da nicht ganz sicher, ob wir nicht versuchen sollten, doch dann die Adoption hier nicht so gleichzustellen.“ kontert Oliver Welke: „Jetzt sag halt, dass Du das nicht machen kannst, weil sonst den schwulenfeindlichen Säcken in Deiner C-Partei die Aorta platzt.!“

Wenn Torwart Jens Lehmann in einer Talkrunde gefühlte 20 mal sagt, dass er es schwierig gefunden hätte mit Thomas Hitzlsperger unter der Dusche zu stehen, wenn er gewusst hätte, dass der schwul ist dann bringt Oliver Welke das auf den Punkt: „Jens Lehmann fragt sich, wie Thomas Hitzlsperger es ausgehalten hat, all die Jahre neben einem so schönen Mann wie ihm zu duschen, ohne ihn vergewaltigt zu haben.“

Im Fernsehen als Massenmedium erleben wir überwiegend den Blick der Mehrheitsgesellschaft und deren Klischees auf unsere Themen. Die Heute Show hinterfragt das – und das ist das Verdienst von Stephan Denzer und seinem „Team Lustig“.

Bambi, Comedy-Preis, Fernsehpreis, Grimme-Preis, Redaktion des Jahres 2012, Hanns-Joachim Friedrichs Preis – „Der Teufel preist immer auf den größten Haufen“ – könnte man meinen. In diesem Fall aber, im Fall der Heute Show, deren Redaktionsleiter Stephan Denzer heute geehrt wird, kann es aus unserer Sicht gar nicht genug Preise regnen. Dieses Format ist so richtungsweisend, dass die Kompassnadel folgerichtig auf die Menschen zeigt, die die Heute Show geprägt haben – mit Ihrer Kreativität, Ihrem Handwerk, Ihrem Verständnis vom Menschen in einer aufgeklärten Gesellschaft.

Stephan Denzer bitte kommen Sie auf die Bühne – es regnet Preise.

 


Klaus Nierhoff begann seine Karriere an den Bühnen der Stadt Köln. Er spielte in vielen Filmen und Serien mit und ist auch als Sprecher tätig. Bekannt ist er vielen durch seine Rolle als homophober Vater in der Lindenstrasse. Ganz und gar nicht homophob engagiert er sich seit vielen Jahren als Botschafter der ARCUS-Stiftung aktiv für die Themen unserer Community.

 

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