Pressemitteilung von Ministerin Barbara Steffens zu 25 Jahre Schwules Netzwerk NRW

(SNW) | 18. Juni 2016

Ministerin Steffens: Schwules Netzwerk NRW ist seit 25 Jahren engagierte Selbsthilfe – Gemeinsam gegen Diskriminierung und menschenfeindliche Parolen

Steffens_FachtagungDas Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter teilt mit:

Das Schwule Netzwerk Nordrhein-Westfalen steht für engagierte Selbsthilfe, klärt über gleichgeschlechtliches Lieben und Leben auf und fordert Respekt für sexuelle Vielfalt ein. „Das Schwule Netzwerk NRW trägt seit 25 Jahren dazu bei, die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität von Menschen sichtbar zu machen, die anders lieben. Das Netzwerk wirbt für Akzeptanz, fordert gleiche Rechte ein und ist mit seinen Kompetenzen ein wichtiger Partner im Kampf gegen Diskriminierung und Gewalt, dem aktuell besondere Bedeutung zukommt: Menschenfeindlichen und ausgrenzenden Parolen von Populisten treten wir gemeinsam mit Aufklärung und Informationen entgegen“, erklärte Emanzipationsministerin Barbara Steffens als Schirmherrin der Fachtagung „Schwule Identitäten – Queere Perspektiven“ anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Schwulen Netzwerk NRW am 17. Juni 2016 in Dortmund.

Das Schwule Netzwerk NRW hat wichtige Arbeit geleistet und auch wichtige Impulse gegeben für die Beratung von Lesben, für Familien gleichgeschlechtlicher Eltern, für die Arbeit mit jungen und älteren Schwulen und für die HIV/AIDS-Politik. Anfangs als schwule Selbsthilfe gestartet, kooperiert das Schwule Netzwerk heute mit den Dachverbänden der Lesben und Bisexuellen und mit der Trans*- und Inter*-Selbsthilfe. „In der Kooperation aller LSBTI*-Organisationen liegt eine große emanzipatorische Leistung. Wie die Frauenbewegung tragen sie zur konstruktiven Auseinandersetzung mit Rollenklischees bei und leisten einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Emanzipation“, sagte Ministerin Steffens.

Dass gleichgeschlechtlich Liebende und Lebende auch heute noch diskriminiert und ausgegrenzt werden und sich homophobe Tendenzen in den vergangenen zwei Jahren bundesweit sogar deutlich verstärkt haben, zeigt eine aktuelle Untersuchung der Universität Leipzig.1 Demnach bewerten im Jahr 2016 zum Beispiel rund 25 Prozent der Befragten Homosexualität als unmoralisch, 2014 waren es in einer vergleichbaren Studie rund 12 Prozent. Und 40 Prozent finden es „ekelhaft“, wenn sich Homosexuelle in der Öffentlichkeit küssen. 2014 stimmten rund 20 Prozent dieser Aussage zu.

Die aktuellste Studie über „Homophobie in NRW“ 2 , veröffentlicht 2015, zeigte noch, dass Vorbehalte gegen Homosexuelle in NRW von 2011 bis 2014 insgesamt leicht zurückgegangen sind – allerdings mit uneinheitlicher Tendenz bei Jüngeren unter 30 Jahren und bei Älteren über 60 Jahren. Beispielsweise fanden es nach dieser NRW-Untersuchung 13 Prozent der 16- bis 29-Jährigen im Jahr 2011 „ekelhaft“, wenn sich Homosexuelle in der Öffentlichkeit küssen. Im Jahr 2014 stimmten sogar 21 Prozent dieser Aussage zu. Bei den Befragten ab 60 Jahre stieg der Anteil der Zustimmung zu dieser Aussage von 24 Prozent (2011) auf 35 Prozent (2014). Bei der Aussage „Homosexualität ist unmoralisch“ verdreifachte sich bei den Älteren die Zustimmung von 6 Prozent (2011) auf 18,5 Prozent (2014), während sie bei den Jüngeren von 20 Prozent (2011) auf 18 Prozent leicht zurückging. Die nächste Studie über ‚Homophobie in NRW‘ wird für Anfang 2017 erwartet.

Mit dem „NRW-Aktionsplan für Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt – gegen Homo- und Transphobie“ setzt sich Nordrhein-Westfalen für Vielfalt, Offenheit und Respekt ein. Mit über 100 Maßnahmen in allen gesellschaftlichen Bereichen wird der Aktionsplan umgesetzt. Fast alle Ministerien bringen sich dabei ein. Weitere wichtige Partner sind die Eigenvertretungen der LSBTI*-Selbsthilfe.

 „In Nordrhein-Westfalen profitieren wir vom starken Engagement der Selbsthilfe. Aber auf Bundesebene bleiben noch dicke Bretter zu bohren, etwa für die Öffnung der Ehe für alle, das volle Adoptionsrecht und beim bisher nur angekündigten Gesetzentwurf für die Rehabilitierung und Entschädigung der nach § 175 StGB Verfolgten. Gemeinsam mit dem Schwulen Netzwerk und den anderen Selbsthilfegruppen werden wir uns weiter für eine Kultur des Respekts gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt einsetzen. Denn alle Menschen haben unabhängig von ihrer sexuellen Identität das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben“, so Ministerin Steffens.

Hintergrund:

Das Schwule Netzwerk NRW e.V., gegründet 1991, wird von der Landesregierung seit 1992 gefördert. Im Jahr 2016 beträgt die Förderung rund 248.000 Euro, davon sind 89.000 Euro für SchLAu (Schwul Lesbisch Bi Trans* Aufklärung), ein Netzwerk lokaler Aufklärungsgruppen in Nordrhein-Westfalen, das Antidiskriminierungsarbeit insbesondere an Schulen und in Jugendeinrichtungen leistet. Hinzu kommen weitere Mittel aus dem Kinder- und Jugendförderplan.

1 Studie „Die enthemmte Mitte – Die ,Mitte‘-Studie in Deutschland 2016“ des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig: http://www.zv.uni-leipzig.de/pressedaten/dokumente/dok_20160615153919_948ead63a9.pdf

2 Die Studie “Abwertung gleichgeschlechtlich liebender Menschen in Nordrhein-Westfalen – Aktualisierung der Sonderauswertung zur Homophobie“ (Homophobie in NRW) steht auf der Internetseite des Ministeriums zum Download bereit: https://broschueren.nordrheinwestfalendirekt.de/broschuerenservice/mgepa/abwertung-gleichgeschlechtlich-liebender-menschen-in-nrw/1988