Wir machen mal was mit Medien …

(SNW) | 19. Dezember 2014

logoDie Forderung ist so alt wie unsere schwul/lesbische Emanzipationsbewegung selbst: Lesben und Schwule sollen in den Medienräten vertreten sein, um ihre Interessen dort ebenso wie Glaubensgemeinschaften, Gewerkschaften und andere gesellschaftliche Gruppen einbringen zu können. Nach über 30 Jahren ist nun erstmals der Schritt gelungen. Am 18. Dezember 2014 fand die Abstimmung zur „Entsendung von fünf Mitgliedern durch gesellschaftlich relevante Gruppen in die Medienkommission der Landesanstalt für Medien durch den Landtag NRW gemäß § 93 Absatz 4 Landesmediengesetz NRW“ statt. Die LAG Lesben in NRW und das Schwule Netzwerk NRW haben sich gemeinsam für einen Sitz und Stellvertreter-Sitz beworben – und wurden ausgewählt! 

Es ist fast ein bisschen historisch, diese Anerkennung kurz vor dem Jahresende. Aus 13 Bewerbungen wurden die Selbsthilfeverbände für Lesben und Schwule, also die LAG Lesben in NRW und das Schwule Netzwerk NRW, zusammen als eine von fünf Vertreter_innen einer „gesellschaftlich relevanten Gruppe“ für die Landesmedienkommission ausgewählt. Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder der Kommission bilden das unabhängige Aufsichtsgremium für den privaten Rundfunk, in etwa vergleichbar mit dem Rundfunkrat des WDR. Privates Radio und privates Fernsehen unterliegen gesetzlich vorgeschriebenen Programmanforderungen, deren Umsetzung die Landesmedienanstalten überwachen. Die Medienkommission berät und entscheidet zum Beispiel über die Vergabe von Übertragungskapazitäten an Veranstalter, über die Kabelbelegung etc. Ausschüsse kümmern sich um die Themen: Haushalt und Finanzen, Medienentwicklung, Forschung und Medienkompetenz sowie Programm.

Wir werden sichtbarer, Homophobie auch.

Nötiger denn je ist die Präsenz von Lesben und Schwulen in solchen Gremien in den letzten Jahren geworden. Mit den Diskussionen zum vollen Adoptionsrecht für Lesben und Schwule 2013 wurden seit längerem wieder Stimmen medial laut, die sich, ihre Lebensweise und ihr Familienbild von zu viel Offenheit und gleichen Rechten bedroht sehen. Angefeuert durch das Gesetz gegen Homopropaganda in Russland und Thilo Sarrazins Auftritte bei der „Konferenz für Souveränität“ unter dem Titel „Werden Europas Völker abgeschafft? Familienfeindlichkeit. Geburtenabsturz. Sexuelle Umerziehung.“ bekam eine Gruppe Menschen das Wort, die eigentlich fast verschwunden schien: Bewahrer einer heteronormativen, sexual- und fremdenfeindlichen, religiös motivierten Moral. Sie mobilisierten nun gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg, mit dem die Akzeptanz sexueller Vielfalt in den Schulen zum Thema gemacht wird. 

Es ist an der Zeit, sich einzubringen.

Wer welche Positionen in der medialen Öffentlichkeit – im Fernsehen oder Radio – präsentieren darf, kann nur in den Gremien angemahnt und verändert werden, die einen politischen Einfluss auf die Sendeanstalten ausüben. All zu oft liefen bis jetzt Beschwerden zu homo- und transphoben Beiträgen und Talkgästen ins Leere, fehlte uns doch der Zugang zu den relevanten Strukturen. Zumindest was Privatsender auf Landesebene betrifft, können und werden wir daran in Zukunft etwas ändern. Wir müssen gemeinsam dafür kämpfen, dass diese Berufung nicht die einzige bleibt und viele Interessensvertretungen von Lesben, Schwulen, Bi, Trans*und Inter* Einzug in die Medien- und Rundfunkräte der Republik finden.  

Der Anfang ist gemacht!

PDF zur Beschlussfassung des Landtags NRW

Landesanstalt für Medien NRW

   

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