CSD-Empfang 2020: Kompassnadel an Keshet Deutschland verliehen

Schwules Netzwerk NRW (SNW) | 2. Juli 2020

Das war er – der CSD-Empfang 2020! In ganz neuem Format, als Premiere eines vorab produzierten Films auf YouTube, feierte das Schwule Netzwerk am 4.7. seinen CSD-Empfang gemeinsam mit der Aidshilfe NRW.

 

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In gewohnt humorvoller Art führt auch im Film Moderator Oliver Schubert durch das Programm. Etwa 150 Gäste der Online-Premiere erhielten so einen kurzweiligen Einblick in die Projekte der beiden Landesverbände, in politische Positionen der Vorstände und – nicht zuletzt – die Arbeit der Kompassnadelträger*innen 2020. Die Auszeichnung wurde in diesem Jahr bereits zum 20. Mal verliehen, diesmal an die Organisation Keshet Deutschland.

Keshet ist die Organisation jüdischer LSBTIQ* in Deutschland. In einer Verbindung von Selbsthilfe und Empowerment, Aufklärung und Information leistet der Verein in einzigartiger Weise einen Beitrag dazu, die Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland sichtbar zu machen. Und natürlich: jüdische Gemeinschaften zu einem offenen und akzeptierenden Ort für alle zu gestalten.

„In Deutschland findet jüdisches Leben zumeist nur zwischen den Koordinaten Antisemitismus, Israel und Shoa statt. Allein darunter kann sich jüdisches Leben in seiner Vielfalt nicht wiederfinden. […] Wir haben [Keshet] gegründet, damit es endlich einen Raum für queere Jüd:innen gibt, bei dem sie nicht ihre queere oder ihre jüdische Identität an der Garderobe abgeben müssen,“ so Vorstandsvorsitzender Monty Ott in seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung der Kompassnadel.

 

Anstelle der sonst üblichen Rede des Vorsitzenden eines der organisierenden Verbände nehmen in dem Film die Vorstandsmitglieder sowohl der Aidshilfe NRW als auch des Schwulen Netzwerks NRW Stellung. „Wir können nicht für Emanzipation und Selbstbestimmung kämpfen und gleichzeitig in unseren eigenen Communities Rassismus tolerieren“, so eines der Statements. Darüber hinaus forderten die Vorstände Sichtbarkeit und Solidarität verschiedener Identitäten innerhalb des LSBTIQ-Spektrums. „Trans*, inter* und queere Menschen sind heute dem Anspruch nach selbstverständlicher Teil queerer Politik. Wir können uns nicht weiter abgrenzen, deren Identitäten bisher nicht gesehen wurden.“ Dies brauche aber zusätzlicher Strukturen, die neues Personal, mehr Ehrenamt und somit auch Geld erfordern. „Unsere Forderungen nach queeren Strukturen sind kein Luxus einer übersättigten Queerlobby.“

Die Verbände fordern, geschlechtliche Selbstbestimmung zu garantieren. Geschlechtliche Vielfalt sei eine Realität, doch sei ein selbstbestimmtes Leben jenseits des Frau/Mann-Schemas auch 2020 noch keine Selbstverständlichkeit. Und auch zum Thema Konversionstherapien beziehen die Verbände eine klare Position: Trotz rechtlicher Fortschritte bliebe es dabei: „Sexuelle Orientierung ist nicht therapierbar, nicht bei Jugendlichen und nicht bei Erwachsenen. Extremer Druck politischer oder religiöser Kräfte erzeugen Scham, die auch Erwachsene dazu bringen, sich schädlichen Konversionstherapien zu unterziehen. Das muss verboten werden!“

Der CSD-Empfang im Videoformat hat eine Laufzeit von 56 Minuten und ist online abrufbar unter csd-empfang-nrw.de und auf YouTube. Die vollständige Rede von Monty Ott ist hier abrufbar.

Mehr zu Keshet Deutschland gibt es außerdem unter:

keshet_de (Instagram)

keshetdeutschland (Facebook)
In diesem Beitrag des Podcasts „Eine Stunde Liebe“ (Deuschlandfunk Nova)
Und im Film „Jung, Schwul, Gläubig“ von ARD und SWR