Trauer um Alfred Schiefer: „Ein richtig mutiger Bürger“

Schwules Netzwerk NRW (SNW) | 1. September 2019

Wir trauern um unseren Kompassnadel-Preisträger Alfred Schiefer. Alfred Schiefer hat gemeinsam mit seinem Partner Ludwig Rubruck jahrzehntelang die schwule Selbsthilfestruktur in Köln geprägt. Er war maßgeblich beteiligt am Aufbau des Kölner Schwulen- und Lesbenzentrums SCHULZ und des Sozialwerks für Schwule und Lesben, dem heutigen rubicon e.V.

Durch sein Wirken und Leben in Zeiten, in denen offen schwule Identität bei weitem keine Selbstverständlichkeit darstellte, ist er vielen als Vorbild in Erinnerung geblieben. Dabei war sein Engagement für die Community ebenso vielseitig wie prägend, sei es als Gründer der Kölner Gay Liberation Front, als Spender und Förderer im Rahmen von Veranstaltungen wie „Alfreds Flohmarkt“ oder auf der Kulturschock-Bühne.

Für seine vielseitigen Leistungen, vor allem aber für den über Jahrzehnte nie nachlassenden Kampfgeist und die Treue zu sich selbst zeichnete das Schwule Netzwerk NRW Alfred Schiefer und seinen Partner 2012 mit der Kompassnadel aus.

In seiner Laudatio zeichnete Vorstand Stefan Meschig den außergewöhnlichen Lebensweg eines Paares nach, das vom Ende des Nationalsozialismus bis Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft die mühsam erkämpfte Entkriminalisierung und Anerkennung gleichgeschlechtlicher Liebe miterlebte. Dabei leisteten sie einen entscheidenden Beitrag zu der gesellschaftlichen Entwicklung durch ihr couragiertes und offenes Auftreten als schwules Paar: als Paradebeispiel für Zivilcourage und „richtig mutige Bürger.“

Als Teil der LSBTI*-Communities schauen wir voller Dankbarkeit auf das Leben von Alfred Schiefer zurück und trauern um den Verlust, den sein Tod für unsere Gesellschaft bedeutet. Unsere Gedanken sind bei Alfred Schiefers Wahlfamilie und seinen Angehörigen.

Vorstand des Schwulen Netzwerks NRW

Video: Laudatio auf Alfred Schiefer und Ludwig Rubruck anlässlich der Verleihung der Kompassnadel

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